Archiv für den Monat: Juni 2014

Roadtrip.

Irgendwie fühlte es sich komisch an, als ich mich am morgen mit meinem ganzen Gepäck auf den Weg machte und den Bus zum Queenstowner Flughafen nahm. Natürlich wollte ich nicht davonfliegen, sondern ein Auto abholen, welches ich auf transfercar.co.nz gebucht hatte.

Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet. Alles was ich wusste war, dass es ein kleines Auto mit 5 Sitzen sein sollte, welches ich innerhalb von 2 Tagen von Queenstown nach Christchurch fahren sollte. Kompletter Tank und die volle Versicherung sind dabei… und die Krönung: das ganze für 1$!

Am Flughafen angekommen, erspähte ich sofort die vielen kleinen Mietautos. Freude kam auf: “Juhu, eins davon gehört gleich mir!”
Ich ging zum Schalter der Autovermietung, klärte alle formellen Dinge und kurze Zeit später hatte ich schon den Schlüssel in der Hand. Die gute Dame meinte, dass mein Auto rot wäre und ich es eigentlich nicht übersehen könnte. Ganz gespannt lief ich zum Parkplatz und traute meinen Augen nicht. Der Parkplatz war voll mit all den kleinen Mietautos, wie ich es mir vorgestellt hatte, doch was war das? Mittendrin stand ein etwas größeres rotes Auto, welche alle anderen Autos komplett überstrahlte.. Das kann nicht sein!
Etwas zögerlich nahm ich meinen Autoschlüssel und wurde sofort von einem freudigen Blinken begrüßt. Ich war begeistert! Das ist also mein Freund für die nächsten 2,5 Tage…

Nachdem ich mein ganzes Gepäck in den Kofferraum geladen hatte, nahm ich auf den Fahrersitz platz. Ich muss zugeben, ich war doch froh, eine komplette Versicherung dabeizuhaben. Im Vergleich zu unserem guten Campervan, fühlte ich mich wie in einem Luxusauto. Touchscreen, die Musik wird sofort von meinem iPhone automatisch abgespielt,… Das Auto glänzte und roch so neu, ich hatte anfangs doch schon etwas schiss, es in Bewegung zu setzen. :D

Natürlich hatte ich das Auto nicht einfach so gebucht. Mein Plan war, zum Aoracki (bzw. Mount Cook), der mit 3724 Metern der höchste Berg Neuseelands ist, zu fahren. Fred meinte, dass die Straße dahin eine der schönsten sein soll. Da kann ich mich doch nicht in den Bus setzen!
Da ich den kompletten Weg eh danach wieder zurückmusste, entschied ich, dafür dann wieder den Bus zu nehmen.

Von Queenstown fuhr ich als erstes Richtung Arrowtown, eine kleine ehemalige Goldgräberstadt. Auf dem Weg sammelte ich zwei Hitchhiker aus England auf. Schade, dass ich ihre Blicke nicht fotografiert habe, als sie in mein Auto einstiegen. “Jetzt mal ehrlich! Du bist auch Backpacker und hast so ein krasses Auto.. Wie geht das??” Da musste ich nur lachen. “Transfercar Leute!” Als ich ihnen dann noch erzählte, dass ich für alles insgesamt nur einen Dollar bezahle, waren sie komplett baff. :D
Da sie nach Wanaka wollten, ließ ich sie an der Kreuzung vor Wanaka raus und machte einen Stop in Arrowtown. Als ich mir die Chinesensiedlung und die “Stadt” angeschaut hatte, stand plötzlich Fred vor mir. Ich hatte schon befürchtet, dass wir uns nicht wiedersehen und verabschieden können. Ganz stolz zeigte ich ihm mein Auto und er meinte, dass ich doch ja die Scenic Alpin Route nach Wanaka nehmen soll und nicht den Highway, welchen alle fahren.

Und er hatte so recht! Dieser Highway soll einer der höchsten Neuseelands sein und die Aussicht war einfach gigantisch! Ich konnte es mir nicht verkneifen, an jeder Bucht anzuhalten und ein Foto nach dem nächsten zu knipsen.

Von Wanaka fuhr ich über Lindis Pass zum Lake Pukaki und dort immer am Wasser entlang zum Mount Cook Village.

Nachdem ich mit mein Schlaflager hergerichtet und die Übernachtungsgebühren gezahlt hatte, machte ich mir noch schnell etwas zu essen, bevor es dunkel wurde und ich kein Licht mehr hatte. Als ich gerade fertig mit meinem Toast war, färbte sich der Gipfel plötzlich in ein wunderschönes Rot. Schnell schnappte ich mir meine Kamera und lief zu den Aussichtspunkt. Leider kam ich etwas zu spät und auch wenn ich davon mal nicht so viele Fotos habe, war es doch wunderschön! Da es dunkel und richtig richtig kalt wurde, schlummerte ich mich in meinen Schlafsack und freute mich schon auf den nächsten Tag.

Jedoch wurde es noch viel kälter als gedacht. Ich wachte immerwieder erneut auf und zog mir eine Schicht nach der nächsten an. Über mir war ein atemberaubender Sternenhimmel. Orion (oder auch Pudel) leuchtete auf mich herab und die Milchstraße ziehte sich über den ganzen Himmel. Mittlerweile ärgere ich mich doch ein wenig, dass ich so eine Frostbeule war und mich nicht aus dem Auto getraut habe, um dies in einigen Fotos oder Filmen festzuhalten…

Nach dem Sonnenaufgang und Frühstück machte ich mich auf den Weg zum Hooker Valley. Über drei große Hängebrücken lief ich bis zum Hooker-Gletscher. Leider war außer eine graue Masse, ein paar Eisklumpen und einem See, nicht mehr viel davon zu sehen.

Bevor es die Straße zurückging, machte ich noch schnell einem Stop bei einen weiteren Aussichtspunkt auf die Blue Lakes (die grün sind :D) und dem Tasman-Gletcher. Es war schon irgendwie traurig, wenn man auf den großen Tasman-See blickt und am Rand das Eis vergeblich sucht. Und das soll der größte der Gruppe von Gletschern sein… Auf einer Tafel konnte man sehen, wie schnell das Eis in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Bis zu 820 Metern pro Jahr, unglaublich.

Da ich noch einen weiten Weg vor mir hatte und am nächsten morgen in Christchurch sein sollte, fuhr ich schnell weiter nach Tekapo. Da die Zeit immer knapper wurde und ich eh zurückkommen wollte, entschied ich mich gegen einen Stop und nahm die Inland Scenic Route nach Christchurch. Krass, wie schnell sich die Landschaft wieder änderte. Es dauerte nicht lange, bis alle Berge und Seen verschwunden waren und ich durch die unzähligen Plantagen fuhr.

Es wurde dunkel und auch mein Körper meinte so langsam, dass er nicht mehr weiterfahren möchte. Ich fuhr auf einen Campingplatz am Rakaia River und richtete wieder mein Schlafplatz ein. Um nicht wieder zu erfrieren, zog ich mir gleich alle Schichten von letzter Nacht an… und hätte fast verschlafen! :D

Um 9 musste ich am Flughafen sein, ca. 1,5 Stunden habe ich nach dem Navi noch vor mir. Ich schaute auf die Uhr als ich losfuhr. Kurz vor 8. Verdammt!
Mit der Hoffnung, dass um diese Zeit noch keine Polizei unterwegs ist, trat ich das rechte Pedal etwas stärker durch, düste nach Christchurch und erreichte den Flughafen pünktlich kurz vor 9. Perfekt!

Als ich meine Sachen packte, kam schon der Herr von der Autovermietung: “Oh Sie bringen das Auto zurück? Lassen Sie einfach den Schlüssel in der Tür liegen. Vielen Dank!” Ahja. :D

Beim Packen stellte ich fest, dass das schöne glänzende Auto sich zu einem Haufen aus Dreck verwandelt hat. Ups! Das war mir in der Hektik gar nicht aufgefallen. ^^
Erschöpft von dieser wunderbaren Tour lief ich zur Haltestelle und nahm den Bus in die Stadt, wo ich mir für die nächste Nacht ein Hostel gebucht hatte, bevor es den ganzen Weg per Bus zurückging.

 

PS: Mittlerweile ist es schon fast Winter in Neuseeland. Die Südinsel ist verschneit und da ich manchmal immernoch ganz verwundert angeschrieben werde: Ich bin mittlerweile nur noch 10 Stunden von Deutschland entfernt! Ihr hattet eure Uhren umgestellt und wir mittlerweile auch auf die Winterzeit. Also nix mehr mit dem einfachen Rechnen mit 12 Stunden! ;-)

3.. 2.. 1.. Bungy!

Nachdem ich die letzten Wochen mehr mit Arbeit suchen – Arbeit gefunden – Arbeit verlassen – Arbeit suchen – Arbeit gefunden beschäftigt war, wird es nun doch endlich mal wieder Zeit für einen Blogeintrag…

Queenstown! Die Backpacker-Stadt der Südinsel.
Jeder der nach Neuseeland kommt, zieht es früher oder später in dieses wunderbare Städtchen. Da ich innerhalb der letzten Monate festgestellt habe, dass es in den kleinsten Hostels doch am schönsten ist, verschlug es mich in The Last Resort. Mitten in der Stadt gelegen, gelangt man durch ein kleines Gartentor und über einer kleinen schmalen Brücke zum Hostel.
Mit nur 18 Betten war es sogar noch kleiner, als ich erwartet hatte. So dauerte es nicht lange, bis man alle Leute im Hostel kannte. In meinem Zimmer lernte ich Fred aus Frankreich kennen. Wir stellten fest, dass sich unsere Reisepläne sehr ähnelten. So war es kein Wunder, dass wir uns in den folgenden Wochen noch öfters zufällig wieder getroffen haben. ;)

Die ersten Tage in Queenstown verbrachte ich wieder mit Erkundungen der Stadt, ich aß den berühmten großen Fergburger (und er war verdammt lecker!), wanderte auf dem Tiki Trail bis zur Gondel-Bergstation und sammelte ein paar Caches im Botanischen Garten.

Wenn man durch die Stadt schlendert, erkennt man sofort, dass man sich im Zentrum für Extremsportler befindet. Wandern, Mountainbiken, zahlreiche Wasseraktivitäten, Skifahren, Bungeespringen, Dampfer und Jetboot fahren, Skydiven, Para- und Hanggliding, Gondel und Sommerrodelbahn fahren… es gibt nichts, was man in Queenstown vermissen würde! Man fühlt sich schon fast gezwungen, sein komplettes Geld da zulassen. Schrecklich, für mich einfach zu viel Tourismus!

Doch bevor ich schnell wieder die Stadt verlassen konnte, musste ich noch einen Punkt von meiner Was-ich-unbedingt-in-Neuseeland-machen-möchte-Liste abarbeiten. Wie Fred, bin ich eigentlich nur nach Queenstown gekommen, um den weltweit ersten offiziellen Bungy zu springen. Um nicht allein zu sein, buchten wir diesen also zusammen und saßen noch am selben Tag im Bus zur Kawarau Bridge. Das war alles so aufregend. Oh mein Gott! Keine Plan warum, aber ich war vor den 43 Metern definitiv viel aufgeregter als vor dem 5km-Skydive. Der Moment, wenn man mit zusammengebundenen Füßen am Abgrund steht, in die Schlucht schaut und gedrängt wird, doch noch ein Stück weiter nach vorn zu hüpfen, ist einfach unbeschreiblich! Nochmal in die Kameras lächeln, dann ist es soweit: “Three Two One Bungy!” Waaaaah, ich muss es unbedingt nochmal machen! Schon allein, weil ich zu leicht war und das Wasser nicht berühren konnte. Das hat mich im Nachhinein schon etwas geärgert..

Hier der Link zum Video: http://www.youtube.com/watch?v=gygpkH06qy4&feature=share&list=UUnG9wYCen1iMsksZ6q8EaMA

Am nächsten Tag nahm ich den Bus zum Flughafen. Nein, nicht zum Fliegen, eher um etwas abzuholen.. doch das kommt im nächsten Eintrag. ;-)

(der hoffentlich auch bald folgt ^^)

Sorry, wenn ich mich nicht so oft melde. Die Zeit vergeht hier wie im Flug, das ist echt unglaublich. Nur noch ein paar Wochen und dann komme ich schon wieder heim… Unfassbar!