Archiv für den Monat: März 2014

Geisterstadt.

Auch wenn ich den letzten schönen Wochen noch etwas hinterhertrauerte, freute ich mich doch darauf in Christchurch anzukommen und von dort aus endlich die Südinsel zu erkunden.

Als ich den Flughafen verließ wurde es schon etwas dunkel. Ich suchte die Bushaltestelle, um den nächsten Bus in die Stadt zu nehmen. Alles sah so leer und einsam aus. Auf einem Geländer hockte ein Typ, der anscheinend auch auf den Bus wartete. Mehr waren da nicht…
Auf der Karte wirkte das Hostel sehr zentral gelegen. „Da wird’s schon besser werden!“, dachte ich mir.

Doch als der Busfahrer mich rausließ, stand ich plötzlich im Nirgendwo. Ich lief an einer großen Wiese und verlassenen Häusern vorbei. Unheimliche Gestalten kamen mir entgegen. „Wo bin ich nur gelandet?!“
Da ich den ganzen Tag noch nicht viel gegessen hatte, hielt ich Ausschau, wo ich noch etwas Essbares herbekommen konnte. Plötzlich erspähte ich einen Subway. Meine Rettung! Ich lief schnell hin. Geschlossen. Na super…
Da mein Hostel gleich ein paar Meter weiter war, entschied ich mich, schnell einzuchecken, mich ins Bett zu legen und mich morgen wieder auf die Suche zu machen.

Doch das war gar nicht so einfach wie gedacht. Ich wusste ja, dass Christchurch immernoch mit den Auswirkungen des schweren Erdbebens 2011 zu kämpfen hat, aber das es so schlimm ist, damit hatte ich nicht gerechnet. Eine Baustelle an der nächsten. Das soll die zweitgrößte Stadt des Landes sein? Unvorstellbar. Ich wollte einfach nur noch weg hier!

Mit Kamera und GPS bepackt, machte ich mich am zweiten Tag auf, um der Stadt doch noch eine Chance zu geben und nebenbei ein paar Caches einzusammeln.

Doch sehr weit kam ich nicht. In einer Passage stand plötzlich eine der beiden Mädels neben mir, welche ich an meinem ersten Tag in NZ am Flughafen getroffen hatte. Was für ein Zufall! Da sie auch erst angekommen und auf der vergeblichen Suche nach dem “Zentrum” war, gingen wir zusammen weiter. Ich zeigte ihr Quake City, eine kleines Startup-Einkaufszentrum aus Containern. Hier findet man alle wichtigen Läden, welche man sonst vergeblich in der Stadt sucht. Sogar jede Bank hat ihren eigenen Container hier. Wir waren begeistert!
Je länger ich durch die Stadt stöberte, umso mehr interessante Orte konnte ich finden. Es ist doch sehr überraschend, wie kreativ und einfallsreich die Leute ihre Probleme hier meistern und versuchen die Stadt komplett neu aufzubauen!

Da ich noch mind. Zwei Tage warten musste, um endlich meinen neuen Laptop zu bekommen, überlegte ich, was ich außer jeden Abend mit meinen Hostelleuten Karten zu spielen und unsere Gefühle über die Stadt auszuwerten, noch unternehmen könnte. So saß ich plötzlich am nächsten Tag im Bus nach Akaroa.

Akaroa ist die französische Stadt Neuseelands. Sie liegt südöstlich von Christchurch auf der Banks-Halbinsel und ist bekannt für einen wunderschönen Hafen, historische Gebäude, gutes Essen und Aktivitäten wie Delfinschwimmen und Wildlife Watching. Da letzteres mir jedoch doch zu teuer war, entschied ich mich für eine kleine Wanderung entlang des Wassers und zu einem Aussichtspunkt, bevor es nach ein paar Stunden wieder zurück nach Christchurch ging. Ein echt schöner Tag!

Um das geniale Wetter am nächsten Morgen nochmals auszunutzen, nahm ich den Stadtbus zur Gondola, um den gigantischen Blick über die Stadt und den Alpen im Hintergrund zu genießen. Oben angekommen lief ich den Track zum Mt. Pleasant, was für eine geniale Aussicht!!

Schönste Zeit.

Die drei Wochen Urlaub auf der Nordinsel mit Francis waren einfach nur wunderbar! Um die Insel am einfachsten erkunden zu können, haben wir uns einen Campervan gemietet und sind als erstes nochmals in den Norden.

Auch wenn der Linksverkehr und das Automatikgetriebe anfangs noch etwas ungewohnt waren, wir den Scheibenwischer öfters als gewollt betätigten und auch beim Tanken kleine Anfangsschwierigkeiten hatten, haben wir uns schnell daran gewöhnt und unsere Reise konnte beginnen!

Um nicht immer in den teueren Hostels übernachten zu müssen, wollten wir von einem Campingplatz zum nächsten fahren, was jedoch nicht immer ganz einfach war, wie wir an unserem ersten Abend schon gleich erfuhren konnten…

Da wir etwas spät dran waren, hatten schon alle Campingplätze geschlossen und so landeten wir schließlich Nachts in einem kleinen Ort vor einer öffentlichen Toilette.
Da es in Neuseeland verboten ist, an umgekennzeichneten Stellen zu campen, hofften wir, dass sie uns es hier nicht ganz so übel nehmen konnten. Wir hatten es ja immerhin versucht!

Am nächsten Morgen ging es weiter zur Nordspitze, dem Cape Reinga. In einer Bucht ganz in der Nähe fanden wir diesmal auch einen kleinen Campingplatz (mit kalter Dusche).

Da bisher Francis gefahren ist, wurde es am nächsten Tag endlich Zeit, dass auch ich mal das Steuer übernahm. Was für ein Spaß! Wir fuhren die Westküste entlang, um uns die Sanddünen und den 90 Miles Beach anzuschauen. Da der Strand auch als Alternative zur öffentlichen Straße genutzt werden kann, wollten wir das mir unserem Möppel natürlich auch mitnehmen… Wir hätten es ahnen müssen. Leider bin ich nicht einmal bis zum Strand gekommen und im lockeren Sand stecken geblieben. Super! Ein Kiwi war jedoch so gut, und hat uns mit einem Seil wieder herausziehen können.

An einem Strand weiter schlugen wir unser Lager auf. Es war so idylisch, jedoch dachten wir nicht daran, dass sich nicht nur wir, sondern auch die Mücken sich sehr über unseren Aufenthalt dort gefreut haben… Doch nach einem harten Kampf war auch das Problem erledigt. ;)

Da beim Abschleppen unsere Halterung für das Ersatzrad verbogen wurde, machten wir uns am folgenden Tag erstmal auf nach Kaitaia in eine Werkstatt. Als unser guter wieder fahrbereit war, ging unsere Tour weiter nach Paihia zu den Bay of Islands. Wir gönnten uns einen Holidaypark mit Küche, Strom und und warmen(!) Duschen. Juhu!

Den folgenden Tag fand ich als einen der schönsten unserer Reise. Auf einer Bootsfahrt durch die Bay of Islands beobachteten wir Delfine in ihrer freien Wildbahn, besuchten den Hole in the Rock und machten eine Insel-Bustour durch Russel. Von Paihia ging es anschließend auf einer wundervollen Route nach Waipoua Forest, wo wir uns den Tane Mahuta, den größten bekannten Kauri-Baum, anschauten. Nach weiteren Zwischenstopps an traumhaften Plätzen, landeten wir schließlich an den Kai Iwi Lakes.

Nachdem wir nun schon einige Tage in Northland verbrachten, fuhren wir zurück über Auckland nach Coromandel. Diese Halbinsel ist bekannt für ihre unberührten Strände und eimheimischen Wäldern. Bei einem Abendspaziergang mit genialem Sternenhimmel durch den Coromandel Forest Park konnten wir sogar ein paar Kiwis hören.

Wir besuchten die Stadt Coromandel Town und fuhren weiter nach Hahei, um die berühmte Cathedral Cove zu besichtigen. In unserem Holidaypark liehen wir einen Spaten aus und fuhren abends noch zum Hot Water Beach. Sobald Ebbe ist, kann man sich hier seinen eigenen kleinen Whirlpool graben. Etwa zwei Kilometer unter der Erdoberfläche befindet sich eine ca. 170 °C heiße Gesteinsschicht, Reste vulkanischer Aktivität von über Millionen Jahren. In der Mitte waren die gegrabenen Becken so heiß, dass es unmöglich war, sich reinzusetzen!

Am nächsten Tag ging es zur vorerst letzten Küstenstadt für uns, nach Tauranga. Wir fanden einen Campingplatz bei den Mc Laren Falls und machten einen Spaziergang entlang eines kleinen Flusses mit hunderten Glühwürmchen. Wunderschön!

Es ist so langsam Halbzeit unserer gemeinsamen Tour und wir entschlossen, erstmal nicht weiter nach Süden, sondern Richtung Mitte der Insel zu fahren. Rotorua ist die Stadt der heißen Quellen, blubbernden Schlammlöchern und hohen Geysiren. Und sie stinkt wie verfaulte Eier! Igitt!!

Doch Rotorua ist auch die Heimat der Maori. Da ihre Kultur uns auch sehr interessierte, machten wir abends noch eine Tour in das Maori-Dorf Tamaki. Wir sahen verschiedenste Vorführungen zum Kunsthandwerk, Schnitzerei, Kriegskunst, Tanz und Gesang. Abgeschlossen wurde der Abend mit einem traditionellen Hangi (im Erdloch gekochtes Essen). Mjammi!

Den folgenden Tag nutzten wir, um uns die Region um Rotorua noch weiter anzuschauen. Wir machten eine Waldwanderung durch die Redwoods, fuhren an den Lake Rotorua und besuchten die maorische St. Faith Church. Abends gönnten wir uns noch ein paar Entspannungsstunden im Polynesian Spa.

Um noch mehr geothermische Aktivitäten sehen zu können, ging es am nächsten Morgen nach Wai-O-Tapu. Das gesamte Thermalgebiet ist übersät mit Kratern, heißen und kalten Seen, Schlammtümpeln, usw. Und alles so schön bunt durch die verschiedensten Mineralien! Neben dem großen Champagne Pool ist ein Highlight der Lady-Knox-Geysir, welcher täglich um 10:15 ausbricht. Leider geschieht dies nicht natürlich, sondern mit Hilfe von Seife, welche von einem Mann in den Krater geschüttet wird. War aber trotzdem toll, so einen großen Geysir mal aktiv zu sehen!

Anschließend ging es nach Taupo, wo wir einen Stopp bei den Huka Falls einlegten. Ganz in der Nähe konnten wir auch kostenlos auf einem Campingplatz am Waikato River übernachten.

Der nächste Tag bestand hauptsächlich aus organisatorischen Dingen… und unserem ersten Strafzettel. Da hätten wir uns vllt mal vorher über die verschiedenen Parkschilder informieren sollen! :D

Taupo ist eine Stadt voller Attraktionen. So konnten wir es auch nicht lassen und wurden am nächsten Morgen von einer Limousine abgeholt und zum Flughafen gefahren, wo wir in ein kleines Flugzeug stiegen, um in einer Höhe von 15.000 ft, mit einem Mann und Fallschirm am Rücken geschnallt, rauszufallen. Es war gigantisch!
Schon die Aussicht aus dem Flugzeug war umwerfend – unter uns Neuseelands größter See Lake Taupo, dazu die Berge und das perfekte Wetter! Nachdem wir auf unserer Höhe angekommen sind, ging die Tür auf und dann sah ich nur noch, wie Francis und sein Skydive Master hinausfielen. Nachdem noch ein anderer dran war, musste ich schließlich als letztes das Flugzeug verlassen. Es war schon krass, wenn man in fünf Kilometer Höhe an der Tür eines Flugzeuges sitzt, die Beine schon in der Luft baumeln und man versucht, sich ja richtig, in Form einer Banane, an seinen Skydive Master zu schmiegen, bevor man plötzlich nach unten fällt. Nach einer Minute freier Fall ging der Fallschirm auf und man konnte die Landschaft in Ruhe genießen und durfte sogar selbst fliegen. Die Welt sieht von da oben so klein aus… Ich würde es sofort wieder tun!! :-)

Nachdem wir beide wieder heil auf dem Boden der Tatsachen angekommen waren und wieder zurück in die Stadt geschafft wurden, machten wir uns auf den Weg Richtung Mount Taranaki. In meinem Reiseführer hatte ich von einem 155 Kilometer langen Forgotten World Highway gelesen, der bis nach Stratford führt. Mit ca. 150 Fahrzeugen pro Tag, ist es der neuseeländische Highway mit den geringsten Fahrzeugaufkommen. Wir fuhren durch unberührte Gebiete, einen schmalen Tunnel und den vielfältigsten Landschaften. Auch wenn es schon fast dunkel und komplett bewölkt war und wir den riesigen Vulkan leider nicht sehen konnten, hatte sich die Fahrt doch gelohnt!

In New Plymouth gaben wir unserem lieben Gefährt reichlich zu trinken und fuhren anschließend auf einem schnelleren Weg wieder zurück nach Taupo.

Für den nächsten Tag hatten wir eine Kajak-Tour über den Lake Taupo zu den Maori-Felsritzungen gebucht, welche jedoch wegen zu stürmigen Wetters abgesagt werden musste. Da es auch im Tangario Nationalpark stürmte und sogar Schneefall gemeldet war, entschieden wir uns die Wanderung auch lieber sein zu lassen und fuhren nach Waitomo, wo wir noch einen richtig genialen Tag in den Glühwurmhöhlen hatten. Nach einer kurzen Trockenübung seilten wir uns mit zwei Guides und sechs anderen in ein tiefes Loch ab, fuhren mit einem Seilzug, sprangen ins kalte Wasser, krochen, schwammen, rafteten durch die Höhlen und machten eine Pause mit heißer Schokolade und Kuchen. Die tausend Glühwürmchen sahen aus wie ein wunderschöner Sternenhimmel.
Um wieder ans Tageslicht zu kommen, mussten wir noch zwei unterirdische Wasserfälle hochklettern. Es hat so viel Spaß gemacht!! Zum Abschluss gab es nach einer heißen Dusche im Lager noch Suppe und Bagel.

Am nächsten Tag besuchten wir noch die Piripiri Caves, die riesige natürliche Mangapohue Bridge und die wunderschönen Marokopa Waterfalls.

Vielleicht ahnte der Campingplatzbesitzer, dass nun unsere letzte Nacht in unserem geliebten Campervan gekommen war, auf jeden Fall hatte er es vergessen oder wollte uns einfach nicht abkassieren.

Bevor wir uns am nächsten Morgen wieder noch Auckland machten, legten wir einen Stopp in Raglan ein, um noch etwas im Raglan Harbour zu kajaken. Superschön! :)

Es klingt vllt etwas albern, aber ein kleines abschließendes Highlight für mich war noch meine erste Fahrt durch die Waschstraße. Hihi..

Leider war ein paar Meter weiter schon der Autoverleih und wir mussten schweren Herzens unser geliebtes Möppel ausräumen und zurücklassen. :(

Bevor ich mich am nächsten Tag auch noch von Francis verabschieden musste, besuchten wir noch das Pasifika Festival im Western Springs Park. Von allen Pazifik-Inseln (Cook Islands, Aotearoa, Tonga, Fiji, Hawaii, Tahiti, usw.) wurden kleine “Dörfer” errichtet, wo man die Musik, Essen, Kunst und Tänze der Stämme präsentiert bekam.

Nachdem wir unser Gepäck aus dem Hotel holten und zum Flughafen fuhren, hieß es nun auch für uns Abschied zu nehmen. Francis musste zurück nach Deutschland und ich wollte auf die Südinsel, welche noch atemberaubender als die Nordinsel sein soll.

Es waren drei wundervolle Wochen, die ich in meinem Aufenthalt hier nicht missen möchte. Wir haben so viel erlebt und unternommen, es war einfach unbeschreiblich! Viiielen lieben Dank dafür!! :-*